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Asynchrone Videos für Agenturen: weniger Calls, schnellere Freigaben

Asynchrone Videos in der Agentur: welche Kundentermine zu Video werden, Teamregeln zu Benennung, Länge, Datenschutz und Absender, und was du messen solltest.

Nicolas Ricardi7 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

  • Verlege einseitige Kundentermine auf Video: Reviews, Angebotsbesprechungen, Status-Updates, Bugfixes, Übergaben. Calls bleiben für Kick-offs, schlechte Nachrichten und Verhandlungen.
  • Schreib vier Teamregeln auf: wie Videos benannt werden, wie lang sie sind, was auf dem Bildschirm zu sehen sein darf und wer sie verschickt.
  • Führ es beim Kick-off beim Kunden ein, fang mit einem einfachen Video an und biete weiterhin Calls an.
  • Miss ohne Zuschaueranalysen: gebuchte Calls, Korrekturrunden und Tage bis zur Freigabe, vorher und nachher.
  • Das Video erklärt, die schriftliche Antwort ist das, was zählt.

Asynchrone Videos in der Agentur heißt: Ein Teil der Kunden-Calls und langen E-Mails wird durch kurze aufgenommene Videos ersetzt, also Design-Reviews, Angebotsbesprechungen, Status-Updates, Übergaben. Der Kunde schaut, wann es ihm passt, und antwortet schriftlich. Das funktioniert, wenn das ganze Team dieselben wenigen Regeln befolgt: welche Kundentermine zu Video werden, wie Videos heißen, wie lang sie sind, was auf dem Bildschirm zu sehen sein darf und wer sie verschickt.

Wir sind Nube, ein kleines Webstudio aus Italien, und wir haben JustRec für die Videos gebaut, die wir unseren eigenen Kunden schicken. Dieser Leitfaden ist das Playbook dazu, und er funktioniert mit jedem Screen Recorder.

Was sich ändert, wenn eine Agentur asynchron arbeitet

Bei einem Kunden-Call einer Agentur sitzen selten nur zwei Leute. Der Projektmanager ist dabei, die Designerin erklärt die Entscheidungen, manchmal kommt ein Entwickler dazu, falls es eine technische Frage gibt. Alle blocken den Termin, und die halbe Zeit redet eine Person, während die anderen warten.

Ein Review-Video macht daraus eine Person, die einmal ein paar Minuten aufnimmt. Der Kunde schaut, wenn er Zeit hat, kann sich den Teil, den er nicht verstanden hat, noch mal ansehen und kann es an die Person weiterleiten, die wirklich entscheidet. Der Rest des Teams kann es auch ansehen, ohne sich irgendwo einzuwählen.

Das heißt nicht: keine Meetings mehr. Es heißt, dass die Meetings, die bleiben, die sind, in denen Menschen miteinander reden müssen. Der Leitfaden zur asynchronen Kommunikation mit Kunden per Video behandelt die allgemeinen Grundsätze; in diesem Artikel geht es darum, wie du das als Agentur umsetzt.

Welche Kundentermine zu Video werden

Geh ein typisches Projekt durch und ordne jeden Kontaktpunkt ein. Faustregel: Wenn die Information vor allem in eine Richtung fließt, ist es ein Video; wenn der Kunde im Moment reagieren muss, ist es ein Call.

Kundentermine: Video oder Call
Kontaktpunkt Format Wie
Kick-off Call Danach eine kurze Video-Zusammenfassung, was du vom Kunden brauchst
Angebot Video, danach Call, falls er verhandeln will Die Zahlen durchgehen, bevor er das PDF öffnet
Design-Reviews Video Was sich geändert hat, warum, eine Entscheidung am Ende
Wöchentlicher Status Video oder Text Drei Minuten am Board: erledigt, als Nächstes, blockiert
Bug-Reports und Fixes Video Den Bug zeigen, dann zeigen, dass er behoben ist
Übergabe und Schulung Video Eine Aufgabe pro Video, damit er sie später wiederfindet
Verzögerungen, Fehler, Budgetprobleme Call Danach eine schriftliche Zusammenfassung
Strategie-Workshops Call Am Vortag ein Video zur Vorbereitung

Wenn du bei einem konkreten Fall unsicher bist, geht unsere Entscheidungshilfe Video statt Meeting die Grenzfälle durch. Das wöchentliche Update im Detail findest du unter 3 Minuten Video statt des wöchentlichen Status-Calls, das Projektende unter Website-Übergabe per Video.

Die vier Regeln, die du aufschreiben solltest

Ein Freelancer kann improvisieren. Eine Agentur mit fünf Leuten nicht: Der Kunde bekommt von der Designerin ein Video mit dem Titel „Bildschirmaufnahme“ und vom Entwickler eins mit zwölf Minuten, und das Format wirkt plötzlich nachlässig. Einigt euch auf diese vier Regeln und legt sie dort ab, wo das Team sie findet.

1. Benennung

Nutzt für jeden Titel dasselbe Muster, damit der Kunde ein Video in seinem Postfach findet und euer Team es Monate später in einer Mediathek:

Kunde · Projekt oder Seite · Was · Runde, zum Beispiel „Bäckerei Schneider · Homepage · Review · Runde 2“.

Bleibt bei klaren Worten. Eure internen Kürzel muss der Kunde nie sehen. In seinem Postfach sieht das so aus:

Mail· an Laura

Hi Laura, hier ist Runde zwei der Homepage (etwa 4 Min.). Am Ende eine Frage: Können wir das neue Menü so umsetzen? Eine Antwort in diesem Verlauf bis Donnerstag wäre perfekt.

Bäckerei Schneider · Homepage · Review · Runde 2JustRec · 3:40

2. Länge

Legt pro Videotyp eine Standardlänge fest und bittet alle, Längeres aufzuteilen. Vorschläge:

  • Reviews und Freigaben: zwei bis fünf Minuten, ein Ergebnis pro Video.
  • Status-Updates: etwa drei Minuten.
  • Bug-Reports: unter zwei Minuten.
  • Übergaben: eine Aufgabe pro Video, so lang wie die Aufgabe es braucht.

Wenn ein Video mehr als ein Thema braucht, sind es zwei Videos.

3. Datenschutz

Jede Bildschirmaufnahme kann mehr zeigen als gewollt: ein Postfach, das Projekt eines anderen Kunden, den Namen eines Endkunden in einem Admin-Panel. Die DSGVO verlangt mit dem Grundsatz der Datenminimierung (Art. 5 Abs. 1 lit. c), dass nur so viele personenbezogene Daten verarbeitet werden, wie für den Zweck nötig sind. Am einfachsten setzt du das in einem Video um, indem personenbezogene Daten gar nicht erst ins Bild kommen.

Datenschutzregeln fürs Team

  • Wenn möglich ein Fenster oder einen Bereich aufnehmen, nicht den ganzen Bildschirm.
  • Vor der Aufnahme Mail, Chat und Tabs anderer Kunden schließen.
  • „Nicht stören“ einschalten.
  • Demodaten statt echter Kundendatensätze verwenden.
  • Nie Passwörter, API-Schlüssel oder Admin-Zugänge zeigen. Zugangsdaten getrennt schicken.
  • Den Link an den benannten Ansprechpartner schicken, nicht in einen Gruppenchat oder öffentlichen Kanal.

Die Datenschutz-Checkliste für Bildschirmaufnahmen erklärt jeden Punkt und was du tust, wenn sich echte Daten nicht vermeiden lassen.

4. Wer verschickt

Legt fest, wer aufnimmt und wer sich ums Nachfassen kümmert, denn das ist oft nicht dieselbe Person:

  • Wer die Arbeit gemacht hat, nimmt sie auf. Diese Person kann die Entscheidungen ohne Notizen erklären.
  • Der Projektmanager ist im Verlauf dabei und hakt am vereinbarten Datum nach.
  • Ein Verlauf pro Kunde. Videos, Fragen und Freigaben im selben E-Mail-Verlauf oder Kanal.

Die schriftliche Antwort zählt

Ergänzt die Regeln um eine Zeile: Das Video erklärt, die Antwort entscheidet. Freigaben, Änderungen am Leistungsumfang und Termine werden im Kundenverlauf schriftlich bestätigt. Das ist umso wichtiger, wenn eure Video-Links ablaufen, und genau das sucht ihr, wenn jemand fragt: „Wann haben wir das vereinbart?“

So führst du asynchrone Videos bei deinen Kunden ein

Die meisten Kunden freuen sich über weniger Calls, aber niemand mag einen Prozesswechsel, der ihm einfach übergestülpt wird. Führ es bewusst ein.

  1. Kick-off-Call

    Erklären, wie es laufen wird

    „Für Reviews und Updates schicken wir dir kurze Videos, die du ansehen kannst, wann es dir passt. Du antwortest einfach im selben Verlauf. Wenn etwas ein Gespräch braucht, machen wir einen Call aus.“

  2. Am Tag nach dem Kick-off

    Mit etwas Einfachem anfangen

    Ein einminütiges Begrüßungsvideo mit den nächsten Schritten und dem, was ihr vom Kunden braucht. Wenig Druck, schnell angesehen.

  3. Bei jedem Video danach

    Das Versprechen halten

    Kurz, klar benannt, eine Frage am Ende, jedes Mal.

  4. Wann immer ein Kunde fragt

    Calls weiter anbieten

    Sag Ja, wenn ein Kunde einen möchte. Das Ziel sind weniger Calls, nicht gar keine.

  5. Nach ein paar Wochen

    Nachfragen, wie es läuft

    „Funktioniert das mit den Videos für dich?“ Manche Kunden wollen mehr Text, manche mehr Calls. Pass es pro Kunde an.

Das erste Video für einen neuen Kunden

Am Tag nach dem Kick-off verschickt · Etwa 1 Minute

Hi Laura, danke für den Call gestern. Ein kurzes Video, damit du weißt, wie wir ab jetzt arbeiten. Wenn wir dir etwas zeigen wollen, zum Beispiel nächste Woche den Entwurf der Homepage, schicken wir dir ein kurzes Video wie dieses, meist ein paar Minuten lang, mit einer Frage am Ende.

Du kannst es dir ansehen, wann es dir passt, und einfach in diesem Verlauf antworten. Wenn etwas ein richtiges Gespräch braucht, sag Bescheid, dann machen wir einen Call aus. Im Moment brauchen wir nur eins von dir: die Logodateien und das Brand-Manual, wenn möglich bis Freitag.

Zur Abschlussfrage in Review-Videos siehe Kundenfreigaben mit Video beschleunigen.

Erfolg messen ohne Zuschaueranalysen

Du musst nicht wissen, wer welches Video wie lange angesehen hat, um zu sehen, ob asynchrone Videos funktionieren. Miss, was deine Agentur ohnehin festhält, an ein paar Projekten vorher und nachher:

Was du vorher und nachher vergleichst
Was du vergleichst Wo du es findest
Gebuchte Kunden-Calls pro Projekt und Monat Dein Kalender
Korrekturrunden pro Ergebnis Dein Projekttool oder der Kundenverlauf
Arbeitstage vom Review bis zur Freigabe Die Daten im Kundenverlauf
Anfragen wie „Können wir kurz telefonieren, damit du es erklärst?“ Der Kundenverlauf
Teamstunden in Kunden-Calls Deine Zeiterfassung

Vergleiche ein paar ähnlich große Projekte, vor und nach der Umstellung.

Sieh es als Plausibilitätscheck, nicht als Studie: Projekte sind unterschiedlich, und eine Handvoll davon liefert keine harten Zahlen. Wenn Calls und Korrekturrunden zurückgehen und Kunden sich nicht beschweren, funktioniert es. Wenn ein Kunde immer wieder Calls verlangt, wechsel bei ihm das Format. Die Antwort selbst zeigt dir, dass das Video angesehen wurde.

Was das Tool können muss

Für die Agenturarbeit ist der Recorder weniger wichtig als die Routine, aber ein paar Dinge machen die Routine leichter: ein Link, der fertig ist, sobald du die Aufnahme stoppst, Kunden, die ohne Konto zuschauen können, Untertitel für das Ansehen ohne Ton und Links, die nicht für immer online bleiben.

Die Details stehen auf unserer Seite für Agenturen. JustRec ist noch nicht erschienen: Setz dich auf die Warteliste, dann bekommst du zum Start eine E-Mail mit dem Frühbucherpreis.

Fang mit einer Richtlinie auf einer Seite an

Du brauchst kein Handbuch. Eine Seite mit der Tabelle der Kontaktpunkte, den vier Regeln und dem Satz für den Kick-off reicht für ein Team von zwei bis fünfzehn Leuten. Wir haben eine Vorlage geschrieben, die du kopieren und anpassen kannst: die Vorlage für eine Richtlinie zur asynchronen Kommunikation in Agenturen.

Probier es zuerst an einem Projekt aus, mit einem Kunden, den du gut kennst. Wenn es dort klappt, wird es zu eurer Arbeitsweise.

Häufige Fragen

Was sind asynchrone Videos für Agenturen?

Ein Teil der Kunden-Calls und langen E-Mails wird durch kurze aufgenommene Videos ersetzt, die der Kunde ansieht, wann es ihm passt, etwa Design-Reviews, Status-Updates und Übergaben. Der Kunde antwortet schriftlich, und Calls bleiben für die Gespräche, die sie brauchen.

Welche Kundentermine kann eine Agentur durch Video ersetzen?

Vor allem die einseitigen: Design-Reviews, wöchentliche Status-Updates, Angebotsbesprechungen, Berichte zu Bugfixes und Schulungen bei der Übergabe. Kick-offs, schlechte Nachrichten, Verhandlungen und Workshops funktionieren live weiterhin besser.

Wie führe ich Video-Updates bei Kunden ein?

Erklär beim Kick-off, wie es laufen wird, schick ein erstes kurzes Video zu etwas Einfachem und mach klar, dass der Kunde jederzeit einen Call verlangen kann. Frag nach ein paar Wochen, wie es für ihn funktioniert.

Wie misst eine Agentur, ob asynchrone Videos funktionieren?

Vergleiche ein paar Projekte vorher und nachher: wie viele Calls gebucht wurden, wie viele Korrekturrunden jedes Ergebnis gebraucht hat und wie viele Tage zwischen dem Review und der Freigabe lagen. Für nichts davon brauchst du Zuschaueranalysen.

Wer in der Agentur sollte die Kundenvideos aufnehmen?

Meist die Person, die die Arbeit gemacht hat, weil sie die Entscheidungen erklären kann. Der Projektmanager sollte im Verlauf dabei sein und sich ums Nachfassen kümmern, damit Freigaben nicht davon abhängen, wer aufgenommen hat.

Geschrieben von

Nicolas Ricardi

Maker of JustRec, at Nube

Nicolas makes JustRec at Nube, a web studio in Italy. He built it for the videos Nube sends to its own clients: design reviews, handovers and quotes explained in a few minutes instead of a meeting.

www.wearenube.dev
Kundenvideos